Dieses Dissertationsprojekt untersucht die Finanznetzwerke der Westschweiz, von Genf bis Basel, während einer Periode tiefgreifender wirtschaftlicher, sozialer und politischer Veränderungen zwischen 1770 und 1860.
Ziel der Forschung ist es, die traditionelle These einer durch die Französische Revolution verursachten grundlegenden Zäsur im bekannten schweizerischen und hugenottischen Vermögens- und Netzwerkgefüge des 18. Jahrhunderts zu hinterfragen. Das Projekt betrachtet Finanznetzwerke als eigenständige Finanzinstitutionen, die in Zeiten intensiver politischer und wirtschaftlicher Umbrüche die Reproduktion und grenzüberschreitende Allokation von Kapital ermöglichten. Besonderes Augenmerk gilt ihrer langfristigen Funktion, Investitionen trotz politischer Instabilität und hoher Informationskosten zu erleichtern, noch bevor moderne Finanzinstitutionen wie Universalbanken entstanden. Ein zentrales Merkmal des Projekts ist sein mikrohistorischer Ansatz. Anhand von Fallstudien bedeutender Vertreter der schweizerischen Finanzelite untersucht die Forschung die konkrete Funktionsweise dieser Netzwerke und die Mechanismen, die ihre Beständigkeit gewährleisteten. Die Studie stützt sich auf quantitative und qualitative Quellen, darunter insbesondere private Dokumente wie Geschäfts- und Rechnungsbücher sowie Korrespondenzen und Memoiren, die eine Einbettung der untersuchten Aktivitäten in ihren historischen Kontext ermöglichen. Eine zentrale Rolle spielen dabei Buchhaltungsunterlagen, insbesondere Hauptbücher. Diese Quellen gelten als besonders zuverlässig und besitzen ein hohes Erklärungspotenzial, da sie tatsächliche Finanztransaktionen dokumentieren. Sie ermöglichen die Rekonstruktion finanzieller Netzwerke und deren detaillierte Analyse. Durch diese kleinteilige Perspektive soll empirisch aufgezeigt werden, welche finanziellen Funktionen diese Netzwerke erfüllten und welchen Beitrag sie zur wirtschaftlichen Entwicklung in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen leisteten.
Die Dissertation wird gemeinsam betreut von Prof. Dr. Sabine Pitteloud (FernUni Schweiz) und Professorin Pilar Nogues-Marco (UNIGE).